14. August

Scrollytelling leicht gemacht

Pageflow

 

Mit großangelegten Web-Reportagen wie Snowfall (NYtimes), Kopf oder Zahl (Paroli, finanziert durch Crowdfunding) oder auch etwas Kleineren wie Arabellion (Rhein-Zeitung) ist der Online-Journalismus um interaktive, multimediale Präsentationen erweitert.

“Alma – ein Kind der Gewalt” (arte)

 
Einen festgelegten Begriff findet man für das Phänomen noch nicht – so ist von Longform-Journalismus, Multimedia/Interactive-Storytelling oder Scrollytelling die Rede. Hinter diesen Namen verstecken sich ambitionierte Webpräsentationen, in welchen Text, Bild, Ton und Video zu einheitlichen Geschichten werden. Gemeinsam sind ihnen das vertikale Scrolling (gelernt vom Blog) und ein raumgreifendes Layout.

Grundsätzlich ist das multimediale Storytelling im Netz kein Novum per se. Bekannte Elemente der Webtechnik wie HTML5, CSS3, Canvas, SVG und JavaScript werden in diesen Projekten jedoch zu einer interaktiven und somit reizvollen Präsentation verschmolzen. Der Aufwand ein solches Projekt zu erschaffen, erforderte bisher aber ein quasi interdisziplinäres Team (Autoren, Webdesigner, Programmierer, und u. u. sogar Video- und Audioproduzenten).

Der WDR (in Zusammenarbeit mit Codevise Studios) hat im Mai diesen Jahres, passend zur re:publica, ein kostenfreies, frei zugängliches CMS-Tool zur Erstellung eben solcher Web-Reportagen veröffentlicht. Laut eigener Aussage ist es „Das Tool für multimediales Storytelling“.

Screenshot Pageflow

Mit dem CMS-Tool “Pageflow” soll ein jeder multimediale Reportagen erstellen können.

 
Beispiele für mit Pageflow erstellte Web-Geschichten sind http://rundlauf.ruhrnalist.de/ , http://webdoku.rbb-online.de/wohnen-in-berlin und von den Machern Stefan Domke und David Ohrndorf http://reportage.wdr.de/haldern-pop. Letzteres ist Grimme Online Award Preisträger.

Der Anspruch an dieses Mini-CMS (Basis PHP, HTML5, unter Verzicht von Flash) ist eine resposive Darstellung auf allen Endgeräten. Die Bedienung ist übersichtlich und selbsterklärend, mit welcher Inhalte in den Editor problemlos hochgeladen werden können. Und ganz nach WYSIWYG ist bereits beim Erstellen das spätere Layout zu sehen – scheinbar also keine Programmierkenntnisse nötig. Somit eigentlich ein Programm für Jedermann.

Hier ist aber der Haken. Die Installation selber erfordert Programmierkenntnisse in Ruby und technisches Verständnis beim Aufspielen auf den speziellen Server. Das Programm ist so nicht unbedingt massentauglich. Als Alternative wollen die Pageflow Entwickler bald eine „gehostete“ Variante anbieten – diese ist allerdings kostenpflichtig.

Sofern man sich an die Installation traut, ist Pageflow ein feines System um seine eigenen Webgeschichten öffentlich zu stellen. Auf die Webhost Alternative darf man jedenfalls gespannt sein!

Es gibt aber auch Alternativen – kostenlos oder auch kostenpflichtig. Beispiele sind hier Aesop SE für WordPress und Creatavist.

Kommentare:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • Rafael Luge says:
    Hi,

    einige Scrollytelling Beispiele habe ich mal in einem Blogbeitrag gesammelt:

    http://kopfundstift.de/scrollytelling-storys-multimedial-erleben/

    Beste Grüße aus Dresden

    Rafael Luge